Plastiktüten werden fast immer im Flexodruck auf coronabehandeltem Polyethylen bedruckt, und die meisten Grenzen setzt der Bedruckstoff: eine dehnbare, oft transluzente Folie mit niedriger Oberflächenenergie. Deshalb kann ein Logo, das auf einer Papiertasche scharf aussieht, auf PE-Folie unscharf, versetzt oder abblätternd ankommen, wenn Druckdaten und Maschineneinrichtung das Verhalten der Folie nicht berücksichtigen. Dieser Leitfaden erklärt, wie das Verfahren abläuft, wie die Farbhaftung erreicht und geprüft wird, wie viele Farben sinnvoll sind und wie Druckdaten so vorbereitet werden, dass sie die Weiterverarbeitung zur Tüte überstehen. Zu Formaten und Bestellung beginnen Sie am besten im Bereich individuell bedruckte Plastiktüten.

Wie werden Plastiktüten bedruckt?

Die meisten bedruckten Plastiktüten entstehen im Flexodruck: Flexible Fotopolymer-Druckplatten übertragen schnell trocknende, flüssige Farbe auf die Folienbahn, pro Farbe eine Druckplatte. Die Folie wird als flache oder schlauchförmige Bahn bedruckt, entweder inline mit der Extrusion oder in einem separaten Arbeitsgang, und anschließend durch Siegeln, Einlegen von Seitenfalten und Stanzen zu Tüten weiterverarbeitet.

Der typische Ablauf:

  1. Die Blasfolienextrusion erzeugt einen PE-Folienschlauch in der vorgegebenen Breite, Dicke und Farbe.
  2. Die Coronabehandlung erhöht die Oberflächenenergie auf der Seite oder den Seiten, die bedruckt werden.
  3. Flexodruck, üblicherweise auf einer Zentralzylinder-Maschine (CI), bei der alle Farbwerke um eine große Trommel drucken und so für stabilen Passer sorgen, oder auf einer Etagen-Maschine (Stack), bei der die Farbwerke vertikal übereinander angeordnet sind und beide Seiten der Bahn in einem Durchgang bedruckt werden können.
  4. Trocknung zwischen und nach den Farbwerken.
  5. Weiterverarbeitung: Seiten- oder Bodennähte, Seitenfalten, Griffstanzung oder Griffverschweißung, Aufbringen von Patch- oder Schlaufengriffen, Perforationen und Verpackung.

Andere Verfahren kommen bei Tüten seltener vor. Der Tiefdruck wird für sehr große Auflagen hochwertiger Folie genutzt, eher für kaschierte Beutel als für Tragetaschen. Digitaldruck auf Folie gewinnt bei kleinen Auflagen und Prototypen an Boden, ist in der Tütenfertigung aber weniger etabliert. Siebdruck kommt bei kleinen Mengen fertiger Tüten zum Einsatz. Einen Vergleich der Verfahren über alle Verpackungsarten hinweg finden Sie im Leitfaden Druckverfahren für Verpackungen: Flexo, Offset, Tiefdruck und Digitaldruck.

Warum braucht Polyethylen eine Coronabehandlung?

Unbehandeltes Polyethylen hat eine niedrige Oberflächenenergie, typischerweise etwa 30-31 dyn/cm, sodass die Farbe abperlt und sich abreiben lässt. Die Coronabehandlung oxidiert die Folienoberfläche durch eine Hochspannungsentladung und erhöht die Oberflächenenergie, sodass die Farbe benetzt und haftet. Drucker streben in der Regel etwa 38-42 dyn/cm oder mehr an, wobei wasserbasierte Druckfarben meist den oberen Bereich benötigen.

Für Einkäufer relevant:

  • Die Behandlung lässt nach. Additive in der Folie (etwa Gleitmittel) wandern mit der Zeit an die Oberfläche, und die Oberflächenenergie sinkt. Folie, die bei der Extrusion behandelt und wochenlang gelagert wurde, muss vor dem Druck unter Umständen nachbehandelt werden.
  • Beidseitiger Druck braucht beidseitige Behandlung. Legen Sie fest, ob ein- oder beidseitig bedruckt wird, damit die Folie entsprechend behandelt wird.
  • Recyclingfolie schwankt. PCR-Folie kann Additive und Verunreinigungen enthalten, die Behandlung und Haftung beeinflussen; prüfen Sie die Werte daher je Charge.
  • Überbehandlung ist möglich und kann zum Verblocken (Aneinanderhaften von Folienlagen) führen oder das Siegeln beeinträchtigen.

Wie die Farbhaftung geprüft wird

  • Dyn-Prüfstifte oder Testtinten (zum Beispiel nach ISO 8296 oder ASTM D2578) zeigen die Oberflächenenergie der Folie vor dem Druck an.
  • Klebebandtest: Ein Haftklebeband wird auf den ausgehärteten Druck aufgebracht und abgezogen; abgelöste Farbe weist auf schlechte Haftung hin. ASTM F2252 beschreibt ein Verfahren, das bei flexiblen Verpackungen häufig verwendet wird.
  • Knitter- und Reibtests zeigen, ob die Farbe beim Biegen der Folie reißt oder beim Handling abgerieben wird.
  • Blocktest: Stapel aus bedruckter Folie oder Tüten werden unter Wärme aufeinandergepresst, um zu prüfen, dass die Farbe weder übertragen wird noch verklebt.

Fragen Sie Ihren Lieferanten, mit welchen Prüfungen die Freigabe erfolgt, und vereinbaren Sie besondere Anforderungen, etwa Beständigkeit gegen Kälte oder Kondenswasser bei Tüten für Kühlware, bei der technischen Abstimmung.

Lösemittelbasierte oder wasserbasierte Druckfarben für Plastiktüten?

Beide sind auf coronabehandeltem PE einsetzbar. Lösemittelbasierte Druckfarben trocknen schnell, benetzen niederenergetische Folie leicht und haften stark, setzen aber flüchtige organische Verbindungen (VOC) frei, die kontrolliert werden müssen. Wasserbasierte Druckfarben verringern Lösemittelemissionen und Geruch, trocknen jedoch langsamer und benötigen auf Folie meist eine höhere Oberflächenenergie und eine sorgfältige Maschineneinrichtung.

KriteriumLösemittelbasierte DruckfarbenWasserbasierte Druckfarben
Haftung auf PESehr gut; verträgt niedrigere Dyn-WerteGut bei höherer Behandlung und passender Rezeptur
TrocknungsgeschwindigkeitSchnellLangsamer; benötigt mehr Trocknungsleistung
Emissionen und GeruchVOC; erfordert Absaugung, oft thermische Nachverbrennung oder RückgewinnungGeringere VOC; geruchsarm
DruckqualitätHervorragende Farbdichte und GlanzSehr gut; etwas weniger Glanz möglich
Typischer EinsatzWeit verbreitet im FoliendruckZunehmend im Einsatz, besonders bei Anforderungen an Emissionen oder Geruch

UV-härtende Flexodruckfarben sind auf manchen Maschinen eine dritte Möglichkeit. Die Wahl hängt von der Ausstattung des Herstellers, von der Folie und vom Verwendungszweck ab. Bei Tüten, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen können, wird außen gedruckt; die Farbe darf nicht durch Abklatschen in der Rolle oder im Stapel auf die Lebensmittelseite übergehen. Das fällt unter die Gute Herstellungspraxis nach Verordnung (EG) Nr. 2023/2006 (GMP-Verordnung); gängige Referenzen sind außerdem die EuPIA-Leitlinien und die Schweizer Druckfarbenverordnung. Die deutsche Druckfarbenverordnung gilt ab dem 1. Januar 2027 für Druckfarben auf Lebensmittelkontaktmaterialien. Welche Unterlagen dafür relevant sind, steht im Leitfaden zur Konformität von Lebensmittelkontakt-Verpackungen.

Wie viele Farben lassen sich auf eine Plastiktüte drucken?

Plastiktüten werden üblicherweise mit einer bis sechs Sonderfarben je Seite bedruckt, auf manchen Maschinen mit mehr. Die meisten Motive kommen mit ein bis drei Farben aus, denn jede Farbe bedeutet eine weitere Druckplatte, ein weiteres Farbwerk und zusätzliche Einrichtemakulatur, und weniger Farben passen auf dünner Folie zuverlässiger übereinander.

GestaltungsansatzWas auf Folie gut umsetzbar istWorauf zu achten ist
1-2 SonderfarbenKräftige Logos, Text, einfache MusterSehr feine Linien auf dünner Folie
3-4 SonderfarbenMarkenfarbwelten, flächige IllustrationenPasser zwischen angrenzenden Farben; Überfüllung einplanen
Prozessfarben (CMYK)Fotos, Verläufe bei guter Folie und geeigneten MaschinenTonwertzunahme, Moiré, Farbverschiebung auf getönter oder recycelter Folie; benötigt meist Weißunterdruck
Vollflächige FarbeStarke MarkenwirkungHoher Farbverbrauch, Verblockungsrisiko, beeinflusst die Farbe des Rezyklats; Nadellöcher möglich

Üblich sind Sonderfarben nach Pantone. Die Farbe auf Folie stimmt nicht exakt mit einem Farbmuster auf gestrichenem Papier überein, weil die Folie transluzent ist und ihre Grundfarbe durchscheint. Geben Sie die Farbe an einem gedruckten Muster der tatsächlichen Folie frei. Die Abwägung zwischen Sonderfarben und Prozessfarben behandelt der Leitfaden Pantone und CMYK im Verpackungsdruck.

Folienfarbe und Weißunterdruck

Auf naturfarbener (transluzenter) Folie wirken Farben dunkler und weniger gesättigt als auf Weiß. Mögliche Lösungen:

  • Weiß pigmentierte Folie: Die gesamte Tüte ist deckend weiß und bildet eine saubere Grundlage.
  • Weißunterdruck: Weiße Farbe wird unter bestimmten Farben oder Flächen zuerst gedruckt, damit diese auf transparenter, farbiger oder recycelter Folie leuchtend bleiben. Dafür wird ein Farbwerk benötigt.
  • Eingefärbte Folie: Die Folie wird per Masterbatch durchgefärbt und in Weiß oder einer Kontrastfarbe bedruckt. Das passt zu kräftigen, kostengünstigen Motiven.

Recyclingfolie hat meist einen Grau- oder gebrochenen Weißton, der helle Farben verschiebt. Mehr dazu im Leitfaden zu Tragetaschen aus LDPE, HDPE und recyceltem PE.

Warum ist der Passer auf Kunststofffolie schwieriger?

Dünne PE-Folie dehnt sich unter Bahnspannung und durch die Wärme beim Trocknen, sodass die Lage der einzelnen Farben leicht zueinander sowie zu Griff, Nähten und Seitenfalten der Tüte abweichen kann. Wer enge Passung zwischen Farben oder eine exakte Druckposition zum Griff braucht, muss Toleranzen einplanen.

Gestaltungsregeln, die helfen:

  • Überfüllung: Angrenzende Farben leicht überlappen lassen, damit kleine Verschiebungen keine Lücken zeigen.
  • Haarfeine Konturlinien um Formen und Schrift vermeiden; eine dünne Kontur zeigt Passerdifferenzen als Erstes.
  • Mindestlinienstärken und Schriftgrößen großzügig wählen; negative (ausgesparte) Schrift muss größer und fetter sein als auf Papier. Ihr Drucker bestätigt die Mindestwerte für Folie und Maschine.
  • Um Griffausstanzungen, Nähte und Seitenfaltenbrüche einen Abstand lassen. Wichtigen Text nicht darüberlegen.
  • Beim beidseitigen Druck ist die Ausrichtung von Vorder- zu Rückseite weniger exakt als der Passer der Farben auf einer Seite.
  • Ein Druckrapport entspricht einer Tüte (bei Seitenschweißbeuteln deren Breite, bei Bodenschweißbeuteln deren Länge); das Motiv sollte daher auch dann stimmig wirken, wenn seine Position auf der Tüte leicht variiert.

Die Stanzkontur sollte den Tütenumriss, Nähte, Seitenfalten, Grifflagen und Sicherheitsbereiche zeigen. Allgemeine Hinweise zur Aufbereitung von Druckdaten, zu Dateiformaten und Proofs enthält der Leitfaden zu Druckdaten für Verpackungen.

Beeinflusst der Druck Recyclingfähigkeit oder Konformität?

Eine moderate Farbabdeckung auf einer Tüte aus Monomaterial PE ist in der Regel mit dem Folienrecycling vereinbar, doch hohe vollflächige Abdeckung, metallische Druckfarben und Etiketten aus anderen Materialien als PE können die Qualität des Rezyklats mindern. Auch aufgedruckte Aussagen müssen die Regeln für Umweltaussagen beachten.

  • Recyclinggerechte Gestaltung: Nach der PPWR müssen Verpackungen, die in der EU in Verkehr gebracht werden, ab dem 1. Januar 2030 die Recyclingfähigkeitsklasse A, B oder C erreichen; die detaillierten Kriterien werden noch erarbeitet, und die Farbabdeckung kann einer der Faktoren sein, die in Gestaltungsleitlinien berücksichtigt werden.
  • Aussagen und Kennzeichnungen: Auf der Tüte aufgedruckte Umweltaussagen müssen in der EU nach Richtlinie (EU) 2024/825 (anwendbar seit dem 27. September 2026) und im Vereinigten Königreich nach dem CMA Green Claims Code konkret und belegt sein. Einige Rechtsordnungen verlangen bestimmte Formulierungen auf Trage- oder Mehrwegtaschen.
  • Marktregeln: Den rechtlichen Hintergrund für bedruckte Tüten je Markt finden Sie im Leitfaden zu den Vorschriften für Kunststofftragetaschen.

Checkliste für Druckdaten und Druck bei Plastiktüten

  • Vektordaten (PDF, AI oder EPS) mit in Pfade umgewandelten Schriften und als Pantone-Referenzen benannten Farben.
  • Stanzkontur der Tüte mit eingezeichneten Nähten, Seitenfalten, Grifflagen und Sicherheitsbereichen.
  • Anzahl der Farben je Seite und Angabe, ob beide Seiten bedruckt werden.
  • Folienfarbe (natur, weiß, eingefärbt, recycelt) und ob ein Weißunterdruck nötig ist.
  • Farbkritische Markenelemente und wie sie freigegeben werden (gedrucktes Muster auf der tatsächlichen Folie).
  • Einsatzbedingungen: gekühlt, nass, im Freien, Lebensmittelkontakt oder starke Beanspruchung.
  • Erforderliche Aussagen oder gesetzliche Kennzeichnungen für den Verwendungsmarkt.
  • Menge je Motiv; jedes zusätzliche Motiv oder jeder Farbwechsel bedeutet in der Regel neue Druckplatten.

Senden Sie die Checkliste zusammen mit Ihren Dateien über den Bereich individuell bedruckte Plastiktüten oder unsere Kontaktseite. Weil die Grifflage das Layout mitbestimmt, legen Sie am besten zuerst den Griff fest; siehe Griffarten bei Plastiktüten.