Ein neues Faltschachtelformat wirkt wie eine Aufgabe für die Druckdaten, doch der erste Kostenposten im Angebot ist oft das Werkzeug. Bevor ein Bogen bedruckt wird, muss jemand die Stanzkontur der Faltschachtel zeichnen, eine passende Stanzform bauen und an einem Muster belegen, dass das Produkt hineinpasst und die Schachtel schließt. Fehler, die in dieser Phase auffallen, kosten ein Muster; Fehler, die erst nach dem Druck auffallen, kosten eine Produktionsauflage. Dieser Leitfaden erklärt, wie die Konstruktion einer Faltschachtel gezeichnet, gewerkzeugt und gemustert wird und wie Einkäufer die Werkzeugkosten über ein Sortiment hinweg im Griff behalten. Zu Karton, Druck und Bauarten finden Sie alles im Hub individuell bedruckte Faltschachteln.

Was ist die Stanzkontur einer Faltschachtel?

Die Stanzkontur ist die flache, maßstabsgetreue Zeichnung eines Faltschachtelzuschnitts. Sie zeigt, wo der Karton geschnitten, gerillt, perforiert und verklebt wird. Sie ist die gemeinsame Referenz für Konstrukteur, Grafiker, Stanzformbauer und Drucker: Die Druckdaten werden auf ihr platziert, die Stanzform wird nach ihr gebaut und die Faltschachtelklebemaschine wird auf sie eingerichtet.

Gezeichnet wird die Stanzkontur in einer Verpackungs-CAD-Software, meist vom Konstrukteur oder Verpackungsingenieur des Herstellers, ausgehend von den Produktmaßen und der gewählten Bauart. Kostenlose Vorlagen gibt es für gängige Bauarten, sie berücksichtigen aber selten die Kartonstärke, die Laschenfreimaße für einen bestimmten Karton oder die Maschinen des Herstellers. Betrachten Sie sie daher als Skizze, nicht als Produktionsdatei.

Was bedeuten die Linien in der Stanzkontur?

Jede Linienart sagt dem Stanzformbauer, welches Werkzeug einzusetzen ist, und dem Grafiker, wo Druckbild liegen darf und wo nicht. Die Darstellung unterscheidet sich je nach Lieferant, deshalb sollte jede Stanzkontur eine Legende enthalten; die Linienarten selbst sind überall dieselben.

LinienartTypische DarstellungWas in der Produktion geschieht
SchnittlinieDurchgezogene LinieSchneidmesser trennen den Karton durch
RilllinieGestrichelte Linie oder eigene FarbeRillmesser drücken den Karton in einen Matrizenkanal und formen so die Falzung
PerforationStrich-Punkt-Linie oder beschriftete LiniePerforiermesser schneiden unterbrochen, zum Beispiel für Abreißfelder
Schneid-Rill-Kombination (Cut-Score)Beschriftete LinieKombimesser schneidet teilweise und rillt zugleich, für enge Gegenfalzungen
Teilschnitt (Kiss Cut, Halbschnitt)Beschriftete LinieSchneidet nur teilweise durch den Karton, zum Beispiel für Gegenfalzungen
KlebeflächeSchraffierte oder getönte ZoneBleibt frei von Farbe und Lack, da Leim auf unbehandeltem Karton besser haftet
BeschnittLinie außerhalb der Schnittlinie, typischerweise etwa 3 mmDas Druckbild läuft bis hierhin aus, damit nach dem Stanzen kein weißer Rand sichtbar ist
SicherheitsabstandLinie innerhalb der Schnitt- und RilllinienText und wichtige Grafiken bleiben innerhalb dieser Linie
VeredelungsebenenSeparate, benannte EbenenFolie, partieller UV-Lack, Prägung und Fensterbereiche für eigene Werkzeuge

Regeln für Druckdaten wie Beschnitt, Überdrucken und Dateiformate behandelt der Leitfaden zu Druckdaten für Verpackungen. Für die Konstruktion gilt ein einfacher Grundsatz: Die Geometrie der Stanzkontur wird in der Druckdatei nie verändert. Muss ein Maß oder eine Lasche angepasst werden, ändert der Konstrukteur die Stanzkontur und gibt sie neu aus.

Wie wird aus der Stanzkontur ein Bogenlayout?

Der Hersteller wiederholt den Faltschachtelzuschnitt so oft, wie er auf den Druckbogen passt (Anzahl der „Nutzen“), und ordnet die Zuschnitte so an, dass sie Schnittlinien teilen und möglichst wenig Abfall entsteht. Dieses Layout bestimmt, wie viel Karton jede Schachtel verbraucht und welche Stanzform gebaut wird. Bauarten, deren Zuschnitte sich gut verschachteln lassen, etwa Faltschachteln mit gegenläufigem Einsteckverschluss (Reverse Tuck End), erzeugen weniger Verschnitt als Bauarten, bei denen das nicht gelingt.

Im Bogenlayout wird auch die Laufrichtung festgelegt, denn alle Zuschnitte eines Bogens haben dieselbe Kartonlaufrichtung. Der Konstrukteur wägt Kartonverbrauch, Laufrichtung und Bogenformat gegeneinander ab. Eine Schachtel, die nur geringfügig größer ist als ein effizientes Layout erlaubt, kann den Auftrag auf weniger Nutzen pro Bogen drücken und die Kartonkosten je Schachtel spürbar erhöhen. Lässt das Produkt etwas Spielraum, fragen Sie vor der Festlegung des Formats beim Hersteller nach, welche Maße ein effizientes Layout ergeben. Das spart oft mehr als jede Änderung an der Veredelung. Die Kartonqualitäten und ihre Steifigkeit vergleicht unser Leitfaden zu FBB, SBS und WLC.

Wie arbeitet eine Stanzform mit Stahlbandmessern?

Eine Stanzform mit Stahlbandmessern ist eine ebene Platte, typischerweise aus lasergeschnittenem Sperrholz oder einem Verbundwerkstoff. In ihre Schlitze werden dünne, gehärtete Stahlmesser eingesetzt, die zur Form der Zuschnitte gebogen sind. Scharfe Schneidmesser trennen den Karton; abgerundete Rillmesser drücken ihn in einen passenden Kanal und formen so die Falzungen. Auswerfgummis drücken den Karton nach jedem Hub von den Messern ab.

In der Stanzmaschine wird der bedruckte Bogen zwischen Stanzform und Gegendruckplatte gepresst. Die Rillmesser drücken den Karton in die Kanäle einer Rillmatrize (auch Gegenzurichtung genannt), die auf der Gegendruckplatte befestigt ist. Breite und Tiefe der Kanäle richten sich nach Kartonstärke und Rillmesser. Ist der Kanal zu schmal, bricht der Karton an der Falzung; ist er zu breit, wird die Falzung schwach und die Schachtel steht nicht rechtwinklig. Am wichtigsten ist das bei dicken Kartons, Recyclingkarton sowie kaschierten oder stark lackierten Oberflächen, die leichter brechen.

Je nach Projekt sind weitere Werkzeuge nötig:

  • Ausbrechwerkzeuge entfernen in der Stanzmaschine den Abfall aus Fenstern und zwischen den Zuschnitten.
  • Nutzentrennwerkzeuge trennen die fertigen Zuschnitte automatisch vom Bogen.
  • Folien- und Prägewerkzeuge (aus Messing, Magnesium oder Kupfer) sind eigene Werkzeuge für diese Veredelungen; siehe Veredelungen für Faltschachteln.
  • Fensterverklebung und Einrichtung der Faltschachtelklebemaschine sind Maschineneinstellungen und keine eigenen Werkzeuge, sie richten sich aber nach der Stanzkontur.

Rotationsstanzformen (zylindrisch) werden auf Rollenlinien eingesetzt, etwa im Tief- oder Flexodruck mit Inline-Stanzung. Sie kosten mehr, eignen sich aber für sehr große Auflagen.

Was bestimmt die Kosten einer Stanzform?

Die Kosten einer Stanzform hängen vor allem von der Größe der Form ab, von Gesamtlänge und Komplexität der Messer (Anzahl der Nutzen, Rundungen, Perforationen, kleine Details) sowie von zusätzlichen Ausbrech- oder Nutzentrennwerkzeugen. Eine Stanzform ist eine einmalige Investition je Konstruktion und Format. Sie wird für Folgeaufträge und für alle Druckmotive auf derselben Stanzkontur wiederverwendet.

KostentreiberAuswirkung auf die Werkzeugkosten
Bogengröße und Anzahl der NutzenMehr Zuschnitte je Form bedeuten mehr Messerlänge, aber geringere Kosten je Schachtel in der Produktion
Komplexität der MesserRundungen, enge Radien, Perforationen und Schneid-Rill-Kombinationen erhöhen den Aufwand
Fenster und innere AusschnitteErfordern Ausbrechwerkzeuge und mehr Messer
Automatisches NutzentrennenErfordert ein zusätzliches Nutzentrennwerkzeug
Prägung und FolieEigene Werkzeuge je Gestaltungselement
Anzahl der FormateJedes Format braucht eine eigene Stanzform
Rotations- vs. FlachstanzformRotationsstanzformen kosten mehr, eignen sich aber für große Auflagen auf Rollenlinien

So behalten Sie die Werkzeugkosten im Griff:

  • Formate über ein Sortiment hinweg vereinheitlichen, sodass mehrere Produkte eine Konstruktion und eine Stanzform teilen und sich nur das Druckbild ändert.
  • Eine vorhandene Stanzkontur aus der Bibliothek des Herstellers nutzen, sofern das Produkt hineinpasst.
  • Die Konstruktion an Weißmustern bestätigen, bevor die Stanzform bestellt wird, damit sie nur einmal gebaut wird.
  • Klären, wem die Stanzform gehört, wie lange der Lieferant sie lagert und ob sie für spätere Aufträge wiederverwendet werden kann.

Wie sich Werkzeuge in Stückpreis und Mindestmengen niederschlagen, erläutern die Beiträge zu Kostentreibern bei Verpackungen und zur Mindestbestellmenge bei Verpackungen.

Welche Muster sollten Sie vor der Produktion freigeben?

Geben Sie zuerst die Konstruktion frei, danach die Grafik. Eine typische Abfolge besteht aus einem 3D-CAD-Rendering zur Prüfung der Proportionen, einem unbedruckten Weißmuster für Passform und Verschluss, einem digital bedruckten Layoutmuster zur Prüfung der Grafik auf der 3D-Form und einem gedruckten Proof für die Farbe. Nicht jedes Projekt braucht alle vier Stufen, aber der Verzicht auf das Weißmuster ist eine häufige Ursache für teure Nacharbeit.

MusterstufeWas es istWas es belegtWas es nicht belegt
3D-CAD-RenderingVirtuell gefaltete Schachtel aus der StanzkonturProportionen, Platzierung des Druckbilds auf den FlächenPassform, Kartonverhalten, Farbe
WeißmusterUnbedruckte Schachtel, auf dem Musterschneidtisch aus Produktionskarton geschnittenPassform des Produkts, Verschluss, Laschenfreimaße, SteifigkeitFarbe, Verhalten der Veredelung
DigitaldruckmusterDigital bedruckte, per Plotter geschnittene SchachtelGrafik auf der 3D-Form, Texte, BarcodesProduktionsfarbe, Veredelung im Druck
Farbproof / AndruckContract-Proof oder Andruck auf dem ProduktionskartonFarbe und DruckqualitätMechanisches Verhalten in großer Stückzahl
Maschinentest auf der VerpackungslinieChargenlauf auf der Kartoniermaschine des KundenMaschinengängigkeit bei GeschwindigkeitVerhalten im Regal

Weißmuster entstehen ohne Stanzform auf einem digitalen Schneidtisch, der aus der CAD-Datei schneidet und rillt. Dadurch sind sie im Vergleich zu Werkzeug und Produktion günstig und schnell verfügbar; sie sollten in der vorgesehenen Kartonqualität und -stärke gefertigt werden. Testen Sie sie mit dem echten Produkt: befüllen, verschließen, schütteln, im Umkarton stapeln und öffnen, wie es der Endkunde tut. Freigabestufen und Qualitätsprüfungen während der Produktion erläutert der Beitrag zur Qualitätskontrolle bei Verpackungen.

Häufige Fehler bei Stanzkontur und Werkzeug

  • Außenmaße angeben oder Länge und Breite verwechseln; Schachtelmaße sind normalerweise Innenmaße, L x B x H, wobei die Öffnung durch L x B definiert ist. Siehe Faltschachtelarten.
  • Eine heruntergeladene Vorlage verwenden, ohne sie an die Kartonstärke anzupassen.
  • Elemente der Stanzkontur in der Druckdatei verschieben oder skalieren.
  • Klebeflächen bedrucken oder lackieren und damit die Klebenaht schwächen.
  • Text, Barcodes oder feine Folienelemente über Rillungen legen, wo sie brechen oder verzerrt werden.
  • Druckdaten vor dem Weißmuster freigeben und danach eine neue Stanzform benötigen.
  • Kartonqualität oder -stärke ändern, nachdem die Stanzform gebaut ist; Rillung und teils auch die Stanzkontur müssen dann überprüft werden.
  • Getrennte Stanzformen für Formate bestellen, die sich um wenige Millimeter unterscheiden, obwohl ein Format beide Produkte aufnehmen könnte.

Wem gehören Stanzkontur und Stanzform?

Das hängt von der Vereinbarung ab. Die Stanzform bezahlt der Käufer in der Regel als gesonderte Werkzeugkosten. Eigentum, Lagerdauer und Wiederverwendungsrechte sollten bei der Angebotserstellung schriftlich geregelt werden. Die Stanzkontur als Konstruktionsdatei ist oft eine Leistung des Herstellers und kann weitergegeben, lizenziert oder einbehalten werden. Fordern Sie die Datei daher an, wenn Sie einen zweiten Lieferanten einbinden möchten.

Wechselt eine Faltschachtel den Lieferanten, hilft es dem neuen Hersteller, wenn Sie ihm eine Produktions-Stanzkontur und ein flaches Muster übergeben. Für seine Maschinen und Bogenformate ist normalerweise dennoch eine neue Stanzform nötig.

Was Sie für den Start einer Konstruktion mitschicken sollten

  • Produktmuster oder genaue Maße und Gewicht, einschließlich Abweichungen zwischen den Produkten
  • Gewünschte Bauart oder eine Referenzschachtel (möglichst als flaches Muster)
  • Verpackungsweise: von Hand oder Modell und Formatbereich der Kartoniermaschine
  • Kartonqualität und gewünschte Kartonstärke, falls bekannt
  • Merkmale: Fenster, Einsatz, Aufreißstreifen, Aufhängelasche, Displayfront
  • Veredelungen mit eigenen Werkzeugen: Folie, Prägung, partieller UV-Lack
  • Anzahl der Formate und Artikel sowie welche sich eine Konstruktion teilen könnten
  • Vorhandene Stanzkonturen als PDF oder in einem CAD-Austauschformat, falls vorhanden

Konstruktion und Werkzeug werden bei Angebot und technischer Prüfung bestätigt, in der Regel mit einem Weißmuster vor der Bestellung der Stanzform. Kehren Sie zum Hub Faltschachteln zurück, um die Spezifikation zu vervollständigen, oder senden Sie Ihr Konstruktionsbriefing, um die Stanzkontur anzustoßen.