Welche Faltschachtelart passt, ergibt sich aus drei Fakten: dem Gewicht des Produkts, der Verpackungsweise (von Hand oder auf einer automatischen Kartoniermaschine) und der Art, wie der Käufer die Packung öffnet und nutzt. Die meisten Konstruktionsprobleme entstehen, wenn die Bauart ohne diese Angaben gewählt wird: ein Einsteckboden, der unter einem 400-g-Glas aufspringt, ein Automatikboden für ein Produkt, das nur zwölfmal am Tag von Hand verpackt wird, eine Hülse, die auf dem Transportweg abrutscht. Unten vergleichen wir die wichtigsten Bauarten nach den Kriterien, die tatsächlich zwischen ihnen entscheiden, damit die Konstruktion zum Produkt passt, bevor die Druckdaten entstehen. Für Karton, Druck und Bestellung gehen Sie vom Themenbereich individuell bedruckte Faltschachteln aus.
Welche Faltschachtelart passt zu Ihrem Produkt?
Als grobe Zuordnung gilt: Leichte Produkte, die von Hand verpackt werden, eignen sich für Faltschachteln mit Einsteckverschluss. Schwerere Produkte oder schnelleres Verpacken von Hand rechtfertigen einen Automatikboden. Automatische Linien laufen häufig mit Faltschachteln mit Klebeverschluss. Präsentationsorientierte Produkte wie Pralinen, Gebäck und Geschenksets eignen sich für Hülsen, Trays oder Kombinationen aus Tray und Deckel.
| Bauart | Produktgewicht (Richtwert) | Verpackungsweise | Kartonausnutzung auf dem Bogen | Relativer Werkzeug- und Klebeaufwand |
|---|---|---|---|---|
| Gegenläufiger Einsteckverschluss (RTE) | Leicht | Von Hand oder einfache Automatisierung | Effizient (Zuschnitte lassen sich gut verschachteln) | Gering: eine gerade Klebenaht |
| Gleichlaufender Einsteckverschluss (STE) | Leicht | Von Hand | Weniger effizient als RTE | Gering: eine gerade Klebenaht |
| Einsteckverschluss oben, 1-2-3-Boden (Snap Lock) | Leicht bis mittel | Von Hand | Mittel | Gering bis mittel; Boden wird vom Verpacker gefaltet |
| Einsteckverschluss oben, Automatikboden (Crash Lock) | Mittel bis schwer | Von Hand, schnelles Aufrichten | Mehr Karton in den Bodenlaschen | Höher: zusätzliche Klebepunkte auf der Faltschachtelklebemaschine |
| Klebeverschluss (Seal End) | Leicht bis mittel | Automatische Kartoniermaschine | Effizient | Gering an der Schachtel; Klebstoff wird beim Verpacken aufgetragen |
| Hülse | Abhängig von Tray oder Produkt | Von Hand oder automatisch | Sehr effizient | Gering: eine Klebenaht |
| Tray (4 oder 6 Ecken verklebt) | Leicht bis mittel | Von Hand oder mit Trayaufrichter | Großer Zuschnitt | Mittel: Eckenverklebung |
| Display- und Thekenschachtel | Leichte Artikel in Mehrfachpackungen | Von Hand | Mittel bis groß | Mittel; Perforationsdesign ist entscheidend |
„Leicht“ und „schwer“ hängen von Kartonsorte, Kartonstärke und Schachtelgröße ab. Verstehen Sie die Gewichte daher als Ausgangspunkt und prüfen Sie mit einem Weißmuster des tatsächlichen Produkts. Wie solche Muster entstehen, erklärt der Leitfaden zu Stanzkonturen und Prototyping für Faltschachteln.
Gegenläufiger oder gleichlaufender Einsteckverschluss: Worin liegt der Unterschied?
Beide schließen oben und unten mit einer Einsteckklappe. Bei der Faltschachtel mit gegenläufigem Einsteckverschluss (Reverse Tuck End, RTE) setzt die obere Einsteckklappe an der Rückwand an, die untere an der Vorderwand. Beim gleichlaufenden Einsteckverschluss (Straight Tuck End, STE) setzen beide Klappen an derselben Wand an, meist der Rückwand. RTE ist in der Regel günstiger in der Herstellung; STE ergibt eine sauberere Vorderseite und eignet sich für Faltschachteln mit Sichtfenster.
Der Kostenunterschied entsteht auf dem Druckbogen. Da die Einsteckklappen bei RTE in entgegengesetzte Richtungen zeigen, lassen sich die Zuschnitte Kopf an Fuß enger anordnen. So passen mehr Schachteln auf einen Bogen, und es fällt weniger Kartonabfall an. Bei STE sitzen beide Klappen auf derselben Seite, die Zuschnitte lassen sich weniger effizient anordnen.
Der optische Unterschied liegt auf der Vorderseite. Bei RTE setzt die untere Klappe an der Front an, sodass die untere Verschlusskante sichtbar ist, wenn die Schachtel steht. Bei STE liegen beide Anlenkungen hinten, und die Kanten der Vorderseite bleiben sauber. Das hilft bei einem großen Fenster oder einem randabfallenden Frontdesign.
| Merkmal | Gegenläufiger Einsteckverschluss | Gleichlaufender Einsteckverschluss |
|---|---|---|
| Position der Klappen | Gegenüberliegende Wände (oben an der Rückwand, unten an der Vorderwand) | Dieselbe Wand (beide an der Rückwand) |
| Bogenausnutzung | Höher | Geringer |
| Vorderseite | Untere Anlenkung auf der Front sichtbar | Saubere Frontkanten |
| Fensterschachteln | Möglich | Bevorzugt; Fensterfläche bleibt ungestört |
| Typische Einsatzbereiche | Kosmetik, Nahrungsergänzungsmittel, Pharma, leichter Einzelhandel | Fensterschachteln, präsentationsorientierter Handel, Geschenkschachteln |
Verschlüsse bei Einsteckschachteln: Reibungsverschluss, Schlitzverschluss und Staublaschen
Eine Einsteckklappe bleibt durch Reibung zwischen ihrer Kante und den Schachtelwänden geschlossen. Kleine Einschnitte an der Klappenschulter (Reibungsverschluss) oder Schlitze und Laschen (Schlitzverschluss oder Laschenverschluss) halten sie fester. Das ist wichtig bei Produkten, die geöffnet und wieder verschlossen werden, etwa Tee oder Nahrungsergänzungsmittel. Staublaschen werden unter der Einsteckklappe nach innen gefaltet, schließen die Ecken und stützen die Klappe. Ihre Form beeinflusst, wie leicht sich die Schachtel schließen lässt und ob kleine Artikel herausfallen können.
Wann lohnt sich ein Automatikboden trotz der Mehrkosten?
Ein Automatikboden (Crash Lock) lohnt sich, wenn Produkte schwerer sind, als ein Einsteckboden zuverlässig tragen kann, oder wenn die Packgeschwindigkeit von Hand eine Rolle spielt. Die Bodenlaschen werden auf der Faltschachtelklebemaschine vorverklebt. Die Schachtel wird flach geliefert, und der Boden rastet beim Aufrichten in einer einzigen Bewegung ein. Die Kosten liegen im zusätzlichen Karton in den Bodenlaschen und in der aufwendigeren Klebeeinrichtung.
Automatikböden sind üblich bei Schachteln für Gläser, Flaschen, Kerzen, schwerere Süßwarenpackungen und Sets mit mehreren Artikeln. Sie eignen sich auch, wenn Verkaufspersonal die Packungen am Point of Sale aufrichtet. Dort ist ein schneller, zuverlässiger Boden mehr wert als die Ersparnis durch einen Einsteckboden.
Der 1-2-3-Boden (Snap Lock) als Mittelweg
Der 1-2-3-Boden, auch Snap-Lock- oder Schnappboden genannt, besteht aus vier Bodenlaschen, die ineinandergreifen, wenn sie nacheinander gefaltet werden. Er trägt mehr Gewicht als ein Einsteckboden und braucht keine zusätzliche Verklebung, doch jede Schachtel wird beim Verpacken von Hand gefaltet. Er eignet sich für Produkte mittleren Gewichts in kleinen bis mittleren Auflagen, wenn die Packzeit vertretbar ist und sich der Aufwand für die Faltschachtelklebemaschine bei einem Automatikboden nicht lohnt.
Wann ist ein Klebeverschluss die richtige Wahl?
Bei einer Faltschachtel mit Klebeverschluss (Seal End) werden die Endlaschen beim Verpacken verklebt, in der Regel auf einer automatischen Kartoniermaschine mit Schmelzklebstoff (Hotmelt). Frühstückscerealien, Trockenprodukte und viele FMCG-Schachteln nutzen diese Bauart, weil sie mit hoher Geschwindigkeit läuft und sicher schließt. Wird das Produkt auf einer Linie verpackt, sollten Formatbereich, Zuführrichtung und Klebstoffart der Linie geklärt sein, bevor die Stanzkontur gezeichnet wird. Eine Schachtel, die auf einer Kartoniermaschine läuft, kann auf einer anderen klemmen. Fordern Sie die technischen Daten der Kartoniermaschine an und legen Sie sie dem Briefing bei.
Faltschachteln mit Einsteckverschluss lassen sich auf geeigneten Maschinen ebenfalls automatisch verpacken. In der schnellen Verpackung sind jedoch Klebeverschluss und Automatikboden verbreiteter.
Wofür eignen sich Hülsen, Trays und Kombinationen aus Tray und Deckel?
Eine Hülse ist ein beidseitig offener, bedruckter Mantel, der über ein Tray, ein Produkt oder eine Produktgruppe geschoben wird. Sie braucht wenig Karton, lässt sich auf allen vier Seiten gut bedrucken und wird häufig für Süßwaren, Fertiggerichte und Werbeumhüllungen eingesetzt. Das Hauptrisiko ist der Produkthalt: Die Hülse braucht eine enge Passung, eine Verriegelungslasche oder ein Tray mit Rand, damit sie nicht abrutscht.
Trays werden aus einem flachen Zuschnitt durch Verkleben der Ecken aufgerichtet. Ein Tray mit vier verklebten Ecken ist die einfachste Ausführung. Ein Tray mit sechs verklebten Ecken lässt sich nach dem Verkleben flach zusammenlegen, spart Frachtraum und eignet sich für schnelles Aufrichten. Trays werden kombiniert mit:
- einer Hülse, für Gebäck, Pralinen und Geschenksets, bei denen der Käufer das Tray herauszieht
- einem separaten Deckel (Tray mit Deckel oder Stülpdeckel), für hochwertige Geschenkpräsentation mit der Anmutung einer Stülpschachtel zu den Kosten einer Faltschachtel
- einem im Zuschnitt integrierten Klappdeckel, für einteilige Bäckerei- und Tortenschachteln
Für Bäckereiprodukte ist ein einteiliges Tray mit integriertem Deckel und Eckverriegelungen üblich. Es wird flach geliefert, ist im Geschäft schnell aufgerichtet und kann ein Sichtfenster erhalten. Fettbeständigkeit und Eignung für den Lebensmittelkontakt ergeben sich aus Karton und Beschichtung, nicht aus der Bauart. Hinweise zur Kartonwahl finden Sie im Themenbereich.
Displayschachteln und regalfertige Merkmale
Displayschachteln nehmen mehrere Verkaufseinheiten auf, die auf der Theke oder im Regal präsentiert werden. Die meisten haben eine abreißbare oder zurückklappbare Front mit einer Perforationslinie, die auf dem Transportweg intakt bleibt, im Geschäft aber sauber aufgeht. Eine überhöhte, bedruckte Aufsatzkarte (Header) ergänzt die Markenpräsenz. Beim Perforationsdesign gilt es abzuwägen: Ist sie zu schwach, öffnet sich die Schachtel schon im Umkarton. Ist sie zu stark, reißt das Personal die Grafik ein.
Weitere Merkmale, die die Konstruktion verändern:
- Aufhängelaschen (Euroloch oder rundes Loch) für die Präsentation am Hängedisplay
- Fenster, offen oder mit Folie hinterklebt, idealerweise auf einer Wand, durch die keine Rillung verläuft
- Aufreißstreifen und perforierte Entnahmeöffnungen
- Einlagen und Facheinteilungen für Gläser, Flaschen oder Sortimente
- Originalitätsverschlüsse oder Siegel
Jedes Merkmal gehört in das ursprüngliche Briefing, denn eine Ergänzung nach der Freigabe bedeutet in der Regel eine neue Stanzkontur und eine neue Stanzform.
Wie werden Schachtelmaße angegeben?
Faltschachtelmaße werden üblicherweise als Innenmaße in der Reihenfolge Länge x Breite x Höhe (L x B x H) angegeben. Länge und Breite beschreiben die Öffnung, wobei die Länge die längere Seite ist. Die Höhe ist der Abstand zwischen den Öffnungen. Eine vertauschte Reihenfolge ist eine häufige Ursache dafür, dass Muster mit der Öffnung an der falschen Seite eintreffen.
Berücksichtigen Sie die Kartonstärke und die Toleranz des Produkts. Eine Schachtel, die exakt auf das Produktmaß ausgelegt ist, lässt sich oft schwer verpacken. Auch die Laufrichtung des Kartons beeinflusst die Steifigkeit der Wände und die Sauberkeit der Rillungen. Deshalb legt der Strukturdesigner des Herstellers die Laufrichtung in der Regel auf der Stanzkontur fest. Wie sich die Kartonwahl bei gegebener Grammatur auf die Steifigkeit auswirkt, zeigt der Beitrag FBB, SBS oder WLC: Kartonsorten für Faltschachteln.
Helfen ECMA-Codes bei der Bestellung von Faltschachteln?
Ja, als Kurzform. Das ECMA-Codesystem des europäischen Faltschachtelverbands (European Carton Makers Association) klassifiziert Faltschachtelkonstruktionen ähnlich wie die FEFCO-Codes bei Wellpappkartons. Die Angabe eines Codes hilft beiden Seiten, sich auf die Grundbauart zu einigen. Hersteller passen jedoch jede Bauart an Produkt, Karton und Maschinen an, sodass eine bemaßte Stanzkontur oder ein physisches Muster weiterhin die verbindliche Referenz bleibt.
Wenn Sie bereits eine bewährte Faltschachtel haben, ist ein flaches, unverklebtes Muster (oder eine vorsichtig geöffnete Schachtel) oft hilfreicher als jeder Code, weil es Klappen, Verriegelungen und Klebeflächen genau zeigt.
Häufige Fehler bei der Wahl der Bauart und wie Sie sie vermeiden
- Einsteckböden für schwere Produkte wählen: Prüfen Sie ein Weißmuster mit dem echten Produkt und lassen Sie es aus Regalhöhe fallen.
- Die Verpackungsweise ignorieren: Eine Bauart, die sich für das Verpacken von Hand eignet, läuft womöglich nicht auf einer automatischen Kartoniermaschine, und umgekehrt.
- Außen- statt Innenmaße angeben oder Länge und Breite verwechseln.
- Fenster über Rillungen oder zu nah an den Kanten platzieren, was die Wand schwächt.
- Einlagen, Aufhängelaschen oder Fenster nach der Freigabe der Stanzkontur ergänzen, was neues Werkzeug nach sich zieht.
- Eine Burger- oder Takeaway-Konstruktion für ein Handelsprodukt übernehmen. Gastronomieverpackungen sind auf Geschwindigkeit und Belüftung ausgelegt, nicht auf Regalpräsentation. Zu dieser Produktfamilie siehe Burgerbox-Bauformen.
Was vor der Anfrage einer Stanzkontur festgelegt sein sollte
Geben Sie diese Angaben in das Konstruktionsbriefing, damit das erste Weißmuster dem Endergebnis nahekommt:
- Produktmaße, Gewicht und Bruchempfindlichkeit, möglichst mit einem physischen Muster
- Verpackungsweise: von Hand (und wie viele Stück pro Stunde) oder auf einer benannten Kartoniermaschine
- Bevorzugte Bauart oder eine Referenzschachtel zum Abgleich
- Wie der Käufer die Schachtel öffnet und ob sie sich wieder verschließen lassen muss
- Präsentationsbedarf: Regal, Hängedisplay, Thekendisplay oder Umkarton
- Zusatzmerkmale: Fenster, Einlage, Aufreißstreifen, Aufhängelasche, Originalitätsverschluss
- Anzahl der Größen oder Artikelvarianten, die sich eine Konstruktion teilen könnten
Die fertige Konstruktion geht anschließend in die Druckdaten. Wie Grafiken auf der Stanzkontur platziert werden, behandelt unser Leitfaden zu Druckdaten für Verpackungen. Sobald die Bauart feststeht, kehren Sie zum Themenbereich Faltschachteln zurück, um die Spezifikation zu vervollständigen, oder senden Sie das Briefing zur Prüfung.