Ein Aufkleber, der vier Sekunden zum Abziehen und Aufsetzen braucht, ist bei zehn Tüten pro Stunde unproblematisch und bei zweihundert ein Engpass. Das Format entscheidet darüber stärker als das Druckmotiv. Dieser Leitfaden klärt, ob Rollenetiketten oder Bogenetiketten besser passen, erklärt die Schnittbegriffe der Lieferanten und zeigt, wie Form und Größe mit der Oberfläche zusammenspielen. Außerdem rechnet er vor, wie viele Etiketten auf eine Rolle gehen, damit die Rolle zu Spender oder Maschine passt. Er gehört zum Themenbereich individuell bedruckte Aufkleber und Etiketten.

Was ist besser: Rollenetiketten oder Bogenetiketten?

Rollenetiketten sind besser, wenn dasselbe Etikett wiederholt und zügig aufgebracht wird, per Spender oder Maschine. Bogenetiketten sind besser für gelegentliches Aufkleben von Hand, gemischte Motive und kurze Aktionen. Den Ausschlag gibt die Praxis, nicht der Preis: Bringt das Personal dasselbe Etikett mehrmals pro Schicht auf, spart eine Rolle Arbeitszeit.

KriteriumRollenetikettenBogenetiketten
AufbringenVom Spender abgezogen oder maschinell aufgebrachtVon Hand vom Bogen abgezogen
Geeignetes EinsatzmusterWiederholter Einsatz eines oder weniger MotiveGelegentlicher Einsatz, viele Motive oder Formen
TempoHoch; gleichbleibende Etikettenposition mit ApplikatorGeringer; abhängig vom Personal
Gemischte MotiveEin Motiv pro Rolle (oder mehrere Motive in einem Auftrag, auf Rollen aufgeteilt)Mehrere Motive oder Formen können sich einen Bogen teilen
LagerungKompakt; die Rollenkennzeichnung muss eindeutig seinFlach; Bögen können sich wellen oder am Rand Etiketten verlieren
Bedrucken durch den AnwenderThermodrucker bedrucken Rollenetiketten mit variablen DatenLaser- oder Tintenstrahldrucker im Büro bedrucken Bögen
Typische Verwendung an der VerpackungTütenverschlüsse, Kartonverschlüsse, Etiketten für LebensmittelGeschenkverpackungen, Musterpakete, gemischte Werbeaufkleber

Für Takeaway-, Bäckerei- und Lieferverpackungen ist die Rolle das übliche Format. Bögen eignen sich für Verpackungen im Einzelhandel, Musterpakete sowie Bastel- und Eventzwecke, bei denen jeder Aufkleber bewusst platziert wird.

Was bedeuten Kiss-Cut und Die-Cut?

Beim Kiss-Cut werden Obermaterial und Klebstoff durchtrennt, das Trägermaterial bleibt ganz. Beim Vollschnitt (Full Die-Cut) wird alles durchtrennt, es entstehen einzelne Teile ohne Trägermaterial. Die meisten Aufkleber und Etiketten auf Rollen und Bögen sind Kiss-Cut, damit sie bis zum Aufbringen auf dem Träger bleiben.

Lieferanten verwenden den Begriff „Die-Cut-Aufkleber“ nicht einheitlich. Klären Sie, was gemeint ist:

  • Kiss-Cut-Etikett oder -Aufkleber auf Rolle oder Bogen: Obermaterial geschnitten, Trägermaterial intakt; das übliche Format für Verpackungen.
  • Kiss-Cut-Sonderform auf dem Bogen: jedes Motiv entlang der eigenen Kontur geschnitten, weiterhin auf dem gemeinsamen Trägermaterial.
  • Vollschnitt-Aufkleber: auch durch das Trägermaterial geschnitten, für einzelne lose Teile; im Verpackungsbereich unüblich.
  • Perforierter Bogen oder perforierte Rolle: Perforation zwischen den Etiketten zum Abtrennen, teils für Sets verwendet.

Nach dem Schneiden wird der Abfall um die Etiketten (das Stanzgitter, auch Matrix genannt) abgezogen. Schmale Stege oder dünne Spitzen in einer Sonderform können im Stanzgitter reißen, daher sollte die Stanzkontur spitze Innenecken und filigrane Details vermeiden.

Rund, quadratisch, oval oder rechteckig: Welche Form passt zur Verpackung?

Runde Aufkleber lassen sich am schnellsten aufbringen und lösen sich am seltensten. Ovale Aufkleber bieten mehr Breite, Quadrate und Rechtecke decken mehr von Klappe oder Naht ab, und Sonderformen machen den Aufkleber selbst zum Markenzeichen. Die Form sollte der Fläche folgen, die sie überbrückt, und dem Inhalt, den sie trägt.

FormStärkeGrenzeTypische Verwendung
RundKeine Ecken, die sich lösen; einfach zu platzierenWeniger Fläche für TextTütenverschlüsse, Glasdeckel, Kartonverschlüsse
QuadratischPasst zu Kartonecken und KlappenEcken lösen sich ohne RadiusGeschenkverpackungen, Seidenpapierverschlüsse, kleine Kartons
OvalMehr Breite als ein Kreis bei weichen KantenDie Ausrichtung ist wichtigFlaschen, Gläser, Verschlüsse mit Breitenbedarf
RechteckigAm besten für Text und StrichcodesLange Kanten können sich an Rundungen lösenZutaten-, Datums- und Adressetiketten, Siegelstreifen
SonderformWiedererkennung der MarkeStanzwerkzeug erforderlich; empfindliche SpitzenLogokonturen, Produktformen

Quadratische und rechteckige Etiketten sollten einen kleinen Eckenradius haben, weil sich scharfe Ecken verhaken und zuerst zu lösen beginnen. Ein Radius von wenigen Millimetern ist bei kleinen Etiketten ein üblicher Ausgangspunkt; klären Sie die Möglichkeiten des Stanzwerkzeugs mit dem Lieferanten.

Wie groß sollte ein Verpackungsaufkleber sein?

Dimensionieren Sie nach der Aufgabe, nicht nach dem Motiv: Ein Verschluss muss die Öffnung mit Rand auf jeder Seite überbrücken, ein Informationsetikett muss den erforderlichen Text in lesbarer Größe aufnehmen. Gehen Sie von der Fläche aus und testen Sie, statt eine Kataloggröße zu übernehmen.

Faustregeln als Ausgangspunkte:

  • Tütenhals- oder Klappenverschluss: Der Aufkleber sollte den Falz überbrücken und die Tüte auf beiden Seiten mit ausreichend Rand überlappen, damit er hält. Testen Sie je eine Größe größer und kleiner an Ihrer tatsächlichen Tüte.
  • Gewölbte Flächen (Dosen, Flaschen): Ein zu breites Etikett wirft Falten. Halten Sie die Höhe innerhalb des ebenen Teils der Fläche, es sei denn, das Etikett besteht aus Folie und passt sich der Form an.
  • Textetiketten: Die Größe ergibt sich aus dem Text und der erforderlichen Mindestschrifthöhe. Für Lebensmittelinformationen legt in der EU die Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (Lebensmittelinformationsverordnung, LMIV) eine Mindestschriftgröße fest; Näheres im Leitfaden zu Etiketten für Lebensmittelverpackungen.
  • Runde Logoaufkleber: Typische Durchmesser reichen von kleinen Verschlüssen mit wenigen Zentimetern bis zu größeren Verschlüssen; die Verpackung bestimmt das Maß, nicht der Katalog.

In Bestellungen kommen metrische und US-amerikanische Maße vor: 50 mm entsprechen etwa 2 Zoll, 76 mm 3 Zoll.

Was gehört in eine Rollenspezifikation?

Eine Rollenspezifikation nennt Kerngröße, Außendurchmesser, Abwickelrichtung, Abstand zwischen den Etiketten und Anzahl der Etiketten pro Rolle. Diese Angaben entscheiden, ob die Rolle zu Spender oder Maschine passt, und fehlen in Anfragen am häufigsten.

AngabeBedeutungTypische Werte
KerngrößeInnendurchmesser des Pappkerns (der Hülse)Üblich 25 mm (1 Zoll), 40 mm (1,5 Zoll) oder 76 mm (3 Zoll)
Außendurchmesser (AD)Maximaler Rollendurchmesser, vorgegeben durch Spender oder MaschineAbhängig vom Gerät; Grenzwert erfragen
AbwickelrichtungOb die Etiketten außen oder innen liegen und welche Kante voranläuftPer Nummer oder Skizze angegeben; muss zur Maschine passen
EtikettenabstandZwischenraum zwischen den Etiketten entlang des TrägermaterialsOft 2 bis 3 mm; der Sensor braucht eine freie Lücke
TeilungEtikettenlänge plus AbstandDient zur Berechnung der Etiketten pro Meter
Etiketten pro RolleAuf einen Kern gewickelte MengeBestimmt durch AD und Teilung
BahnbreiteBreite des TrägermaterialsEtwas breiter als das Etikett

Das Gerät bestimmt die meisten dieser Werte. Erfragen Sie daher vor der Wahl der Rollengröße den maximalen AD, die Kerngröße und die Abwickelrichtung Ihres Spenders oder Applikators.

Wie viele Etiketten passen auf eine Rolle?

Die Anzahl der Etiketten pro Rolle hängt von der Teilung, der Kerngröße und der Gesamtdicke aus Etikett und Trägermaterial ab. Eine schnelle Rechnung: Rollenlänge = Anzahl der Etiketten × (Etikettenlänge + Abstand), daraus ergibt sich der Außendurchmesser.

Der Außendurchmesser lässt sich näherungsweise berechnen mit AD = Wurzel aus (Kern² + 4 × Länge × Dicke / π), wobei Länge und Dicke in Millimetern einzusetzen sind. Genau genommen ist „Kern“ hier der Außendurchmesser des Kerns, der etwas größer ist als der nominelle Innendurchmesser, das Ergebnis fällt daher etwas zu niedrig aus. Die Gesamtdicke setzt sich aus Obermaterial, Klebstoff und Trägermaterial zusammen; bei Konstruktionen auf Papierbasis liegt sie oft bei etwa 0,1 bis 0,2 mm, prüfen Sie aber das Datenblatt.

Rechenbeispiel (Richtwerte):

PositionWert
Etikett50 mm rund, 3 mm Abstand, also 53 mm Teilung
Etiketten1.000
Länge1.000 × 53 mm = 53 m
Gesamtdicke (angenommen)0,12 mm
Kern76 mm
Näherungsweiser ADetwa 118 mm

Auf einem 76-mm-Kern fasst eine Rolle mit 150 mm maximalem AD bei gleicher angenommener Dicke grob zweitausend dieser Etiketten. Das sind Planungswerte; die tatsächliche Stückzahl pro Rolle nennt der Hersteller für das gewählte Material.

Was ist bei Spendern und Applikatoren zu beachten?

Spender oder Applikator begrenzen Etikettengröße, Rollengröße, Etikettenabstand und Abwickelrichtung. Nennen Sie deshalb bei der Angebotsanfrage die Gerätedaten. Ein einfacher Handspender nimmt einen Bereich von Breiten und Außendurchmessern auf; ein automatischer Applikator braucht einen gleichmäßigen Abstand und ein für den Sensor geeignetes Trägermaterial.

  • Manuelle Spender geben jeweils ein Etikett ab und eignen sich für Theken und kleine Küchen.
  • Halb- und vollautomatische Applikatoren setzen Etiketten an einer festen Position; das Trägermaterial muss eine gleichmäßige Opazität haben, damit der Sensor die Lücke erkennt.
  • Thermodrucker für variable Daten (etwa Datum und Gewicht) nehmen bestimmte Kerngrößen auf und brauchen Materialien, die für Thermotransfer- oder Thermodirektdruck geeignet sind. Ein vorab bedrucktes Markenetikett und ein vor Ort bedrucktes variables Etikett sind oft zwei getrennte Rollen.
  • Die Aufbringposition ist wichtig für Originalitätssicherung und Lesbarkeit; siehe To-go-Tüten mit Originalitätssicherung, wenn ein Siegel das Öffnen sichtbar machen muss.

Nennen Sie dem Lieferanten das Spendermodell oder dessen technische Daten, oder senden Sie das Datenblatt der Maschine.

Welche Bogenformate und Layouts sind üblich?

Bogenetiketten werden in der Regel aus Standardbogenformaten geschnitten: A4 (210 × 297 mm), A3 und SRA3 (320 × 450 mm) in Europa und Großbritannien sowie US Letter (8,5 × 11 Zoll) in den USA. Die Anzahl der Etiketten pro Bogen hängt von Größe und Layout ab, und ein Bogen kann mehrere Motive enthalten.

Bögen eignen sich für das Aufbringen gemischter Aufkleber von Hand: ein Musterpaket mit mehreren Logos, ein Bogen mit Siegeln für Geschenkverpackungen oder ein Werbeset. Kleine Auflagen lassen sich auf Bögen auch im Büro ausdrucken; vom Hersteller gedruckte Markenbögen haben jedoch exakten Passer und verbindliche Farben. Lassen Sie rund um das Layout einen Rand für Schnitttoleranzen, den der Hersteller im Angebot bestätigt.

Was Sie für die Angebotsanfrage übermitteln sollten

Senden Sie Verwendungszweck, Form und Größe, Format und Geräte, damit alle Lieferanten auf derselben Grundlage kalkulieren:

  • Verwendung und Oberfläche sowie Aufbringmethode (von Hand, Spender, Maschine)
  • Form und Größe in mm (bei Bedarf auch in Zoll), bei quadratischen oder rechteckigen Etiketten mit Eckenradius
  • Format: Rolle oder Bogen
  • Für Rollen: Kerngröße, maximaler AD, Abwickelrichtung, Etikettenabstand oder Maschinendatenblatt, Etiketten pro Rolle oder Gesamtmenge
  • Für Bögen: Bogenformat, Etiketten pro Bogen und Anzahl der Motive
  • Obermaterial und Klebstoff oder die Einsatzbedingungen, damit der Lieferant Vorschläge machen kann (siehe Aufkleber- und Etikettenmaterialien)
  • Anforderungen an Druck und Veredelung (Etikettenveredelung)
  • Stand der Druckdaten; der Leitfaden zu Druckdaten für Verpackungen erklärt Stanzkontur, Beschnitt und Proofs
  • Jahresmenge je Motiv

Senden Sie die Liste über die Kontaktseite; Formate, Werkzeuge und Toleranzen werden bei Angebot und technischer Prüfung bestätigt. Zum weiteren Verpackungskontext siehe den Leitfaden zur Angebotsanfrage für Verpackungen.