Bevor Sie eine Wellpappenqualität wählen, klären Sie, welche Schäden bei Ihren aktuellen Boxen auftreten. Kommen Retouren mit gestauchten Ecken und aufgewölbten Deckeln zurück, liegt das Problem in der Stauchbelastung, und die Kennzahl, an der Sie ansetzen, ist der Kantenstauchwiderstand. Kommen sie durchstoßen oder entlang einer Wand aufgerissen zurück, geht es um die Festigkeit der Liner und den Berstdruck. Tritt beides nicht auf, sind die Versandkosten aber hoch, ist die Wellpappe möglicherweise schwerer, als die Aufgabe verlangt. Jede Wellpappenqualität ist ein Kompromiss zwischen diesen drei Punkten. Eine gute Spezifikation sagt klar, welcher davon für Ihre Sendungen zählt.
Dieser Leitfaden behandelt Wellenprofile, Liner- und Wellenstoffpapiere sowie die beiden Festigkeitsprüfungen, denen Einkäufer am häufigsten begegnen. Er ergänzt unsere Hauptseite zu individuell bedruckten Mailerboxen.
Woraus besteht eine Wellpappenqualität?
Eine Wellpappenqualität wird durch drei Dinge bestimmt: das Wellenprofil (Höhe und Teilung der Welle), die für Liner und Wellenstoff verwendeten Papiere (Art und Grammatur) sowie den Aufbau (einwellig oder zweiwellig). Zusammen legen sie Dicke, Steifigkeit, Druckoberfläche, Gewicht und Festigkeit fest.
Einwellige Wellpappe besteht aus einer gewellten Lage Wellenstoff, die zwischen zwei Linern verklebt ist. Zweiwellige Wellpappe hat zwei gewellte Lagen und drei Liner. Die meisten Mailerboxen sind einwellig; zweiwellige Wellpappe kommt bei schwerem Inhalt oder langem, rauem Transport zum Einsatz.
Wellenprofile für Mailerboxen
| Welle | Typische Dicke | Wellen pro Meter (ca.) | Charakter | Einsatz bei Mailerboxen |
|---|---|---|---|---|
| F | 0,8-1,0 mm | 400 oder mehr | Sehr fein; ähnelt einem dicken Karton | Kleine Premiumboxen, briefkastentaugliche Höhe |
| E | 1,1-1,8 mm | 290-330 | Fein; glatte Druckfläche; gute Steifigkeit | Standard für die meisten Mailerboxen |
| B | 2,5-3,2 mm | 150-185 | Gröber; mehr Polsterung und Stauchfestigkeit | Schwerere oder zerbrechliche Waren, größere Mailerboxen |
| C | 3,5-4,5 mm | 120-145 | Standard für Versandkartons | Bei gestanzten Mailerboxen selten |
| EB zweiwellig | 4-5 mm | E plus B | Stabil, dick, schwerer | Schwere Inhalte, Exportkartons |
Die Werte schwanken je nach Wellpappenanlage und Papierfabrik; nutzen Sie sie zum Vergleich, nicht als Toleranzen.
Feinere Profile haben mehr Wellen pro Meter und stützen den Außenliner gleichmäßiger. Deshalb nehmen E- und F-Welle Direktdruck und feine Details besser an als die B-Welle, bei der sich die Wellenberge unter Vollfarben als Streifen abzeichnen können („Waschbretteffekt“). Höhere Wellen erhöhen die Dicke und damit bei gleichem Papiergewicht die Biegesteifigkeit und die Stapelfestigkeit; außerdem dämpfen sie Stöße besser.
Liner und Wellenstoff
Die Papierwahl ist oft ebenso wichtig wie die Welle. Die wichtigsten Linertypen:
- Kraftliner (K): überwiegend Frischfasern, braun, hohe Festigkeit je Gramm und gute Feuchtebeständigkeit. Bei gegebener Grammatur die stärkste Option.
- Testliner (T): Recyclingfasern, braun oder graubraun, geringere Festigkeit je Gramm, niedrigere Kosten. Weit verbreitet, besonders auf der Innenseite von Boxen.
- White-Top-Liner: eine gebleichte weiße Schicht auf Kraft- oder Recyclingbasis. White-Top-Testliner ist eine gängige, wirtschaftliche weiße Druckfläche, teils leicht wolkig; weißer Kraftliner und gestrichene weiße Liner liefern ein saubereres, helleres Druckbild.
Als Wellenstoff kommen typischerweise Halbzellstoff-Wellenstoff (steifer, oft mit höherem Frischfaseranteil) oder Recycling-Wellenstoff zum Einsatz. Die Grammaturen liegen bei Linern üblicherweise zwischen etwa 100 und über 200 g/m², beim Wellenstoff zwischen etwa 90 und 150 g/m²; das verfügbare Spektrum hängt jedoch von der Papierfabrik ab.
Eine typische Mailerbox in E-Welle kombiniert einen weißen oder braunen Außenliner, der nach den Druckanforderungen gewählt wird, einen Recycling-Wellenstoff und innen einen Testliner. Wertet man nur den Außenliner auf, verbessert sich das Erscheinungsbild; eine höhere Liner-Grammatur oder der Wechsel von Testliner auf Kraftliner erhöht dagegen die Festigkeit.
Wie wird der Kantenstauchwiderstand (ECT) gemessen?
Der ECT gibt die Kraft an, die nötig ist, um einen kleinen Streifen der Wellpappe, der mit senkrecht stehenden Wellen auf der Kante steht, zwischen zwei Platten zu stauchen. Das Ergebnis wird nach ISO 3037 in Kilonewton pro Meter (kN/m) angegeben, in Nordamerika nach TAPPI T 811 in Pfund pro Zoll (lb/in). Ein lb/in entspricht etwa 0,175 kN/m; eine in den USA gängige einwellige Qualität mit 32 ECT liegt daher bei rund 5,6 kN/m.
Die Proben werden vor der Prüfung klimatisiert, üblicherweise bei 23 °C und 50 % relativer Luftfeuchte, da Feuchtigkeit das Ergebnis erheblich verändert. Der ECT einer Wellpappe hängt vor allem von der Stauchfestigkeit der Liner und des Wellenstoffs ab. Deshalb liefern Recyclingpapiere mit geringerer Kurzspann-Stauchfestigkeit bei gleicher Grammatur einen niedrigeren ECT.
Warum der ECT die Stapelfestigkeit vorhersagt
Im Stapel trägt eine Schachtel die Last über ihre senkrechten Wände ab, die Wellpappe wird also genau wie im ECT-Versuch auf der Kante belastet. Der Stapelstauchwiderstand (BCT, an der ganzen Schachtel gemessen) hängt deshalb eng mit dem ECT, der Wellpappendicke und dem Schachtelumfang zusammen. Die weit verbreitete McKee-Formel drückt das so aus: BCT ≈ 5,87 × ECT × √(Wellpappendicke × Schachtelumfang), in konsistenten Einheiten.
Für die Praxis heißt das:
- Eine Verdoppelung des ECT verdoppelt ungefähr den vorhergesagten Stapelstauchwiderstand.
- Dickere Wellpappe (höhere Welle) erhöht über den Dickenterm die Stauchfestigkeit auch bei gleichem ECT.
- Größere Boxen mit längerem Umfang tragen insgesamt mehr Last, wenn auch nicht je Längeneinheit der Wand.
Die McKee-Formel ist eine Schätzung für regelmäßige Schachteln; gestanzte Mailerboxen mit eingerollten doppelten Seitenwänden verhalten sich anders und sind an den Stirnseiten meist stärker, als eine einfache Berechnung vermuten lässt. Bei kritischen Anwendungen sollten Sie fertige Schachteln auf Stauchung prüfen, statt sich auf die Formel zu verlassen.
Wie wird der Berstdruck (Mullen) gemessen?
Der Berstdruck ist der Druck, der nötig ist, um die Wellpappe zu durchbrechen, wenn sie von einer Seite durch eine kreisförmige Öffnung gedrückt wird. Beim Prüfverfahren nach Mullen wird eine Gummimembran hydraulisch unter einer eingespannten Probe aufgebläht, bis die Wellpappe birst. Die Ergebnisse werden nach ISO 2759 in Kilopascal (kPa) oder nach TAPPI T 810 in Pfund pro Quadratzoll angegeben.
Der Berstdruck spiegelt eher die Zugfestigkeit und die Dehnung der Liner wider als den Aufbau der Wellpappe. Er korreliert mit dem Widerstand gegen Durchstoßen und gegen Aufplatzen durch schweren Inhalt, der sich beim Handling verschiebt, sagt aber wenig darüber aus, wie sich eine Schachtel im Stapel verhält. Nordamerikanische Frachtklassifikationsregeln (UFC Rule 41 und NMFC Item 222) erlauben es, Schachteln entweder über einen Mindestberstdruck oder einen Mindest-ECT zu zertifizieren; das auf braunen Kartons aufgedruckte Herstellerzertifikat (Box Maker's Certificate) zeigt, welches Verfahren angewendet wurde.
ECT oder Berstdruck: Was gehört in die Spezifikation einer Mailerbox?
Für die meisten E-Commerce-Mailerboxen sollten Sie den ECT als zentrale Festigkeitsanforderung festlegen, weil das Stapeln auf Paletten, in Rollcontainern und in Transportern das dominierende Risiko ist. Eine Anforderung an Berstdruck oder Durchstoßfestigkeit ergänzen Sie nur dort, wo scharfkantige oder dichte Produkte oder eine raue Sortierung das Durchstoßen zu einem bekannten Problem machen.
| Frage | ECT | Berstdruck (Mullen) |
|---|---|---|
| Was wird gemessen | Stauchfestigkeit der Wellpappe auf der Kante | Druck, bei dem die Wellpappe flächig reißt |
| Haupteinflussfaktor | Stauchfestigkeit der Papiere, Welle und Dicke | Zugfestigkeit und Dehnung der Liner |
| Sagt voraus | Stapel- und Stauchfestigkeit (über den BCT) | Durchstoß- und Reißfestigkeit |
| Begünstigt | Effizienten Fasereinsatz; auch Konstruktionen mit Recyclinganteil können die Anforderung erfüllen | Schwere, feste Liner |
| Besonders geeignet für Mailerboxen, wenn | Die Boxen gestapelt oder in Rollcontainern und Transportern geladen werden | Der Inhalt für die Boxgröße dicht, scharfkantig oder schwer ist |
Luftfeuchtigkeit, Zeit und Sicherheitsfaktoren
Wellpappe nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf und verliert mit steigender Luftfeuchtigkeit an Stauchfestigkeit. Zwischen den Normprüfbedingungen und sehr feuchter Lagerung kann eine Schachtel einen großen Teil ihrer Stapelfestigkeit einbüßen; häufig wird ein Drittel oder mehr genannt. Eine über Tage oder Wochen wirkende Last führt außerdem zu Kriechen, sodass eine Schachtel, die einen kurzen Labortest übersteht, bei langfristiger Stapelung versagen kann.
Verpackungsingenieure berücksichtigen dies mit einem Sicherheitsfaktor: dem geprüften Stauchwiderstand der Schachtel geteilt durch die Last, die sie tatsächlich trägt. Üblich sind Faktoren von etwa 3 bis 5 für die Lagerung im Lager, höhere bei feuchtem Klima, langer Lagerung oder Paletten mit Überstand. Für Mailerboxen, die schnell vom Fulfilment zur Zustellung gelangen, sind oft niedrigere Faktoren vertretbar; die Entscheidung sollte Ihre eigene Lieferkette widerspiegeln.
Welche Wellpappenqualität für welche Mailerbox?
| Einsatzfall | Vorschlag als Ausgangspunkt | Hinweise |
|---|---|---|
| Bekleidung, weiche Waren unter ca. 1 kg | E-Welle, Testliner innen, Außenliner weiß oder Kraft | Hauptrisiko sind gestauchte Ecken im Transporter |
| Kosmetik, Glasflaschen, Kerzen | E- oder B-Welle mit Einlage | Die Einlage begrenzt Bewegung; B-Welle bietet mehr Polsterung |
| Briefkastentaugliche Boxen | F- oder E-Welle | Die Dickenbegrenzung gibt den Ausschlag; siehe Größenleitfaden |
| Schwerere Mailerboxen (ca. 3-5 kg und mehr) | B-Welle oder EB zweiwellig | Kraftliner wegen der Festigkeit je Gramm in Betracht ziehen |
| Premium-Vollfarbdruck | E- oder F-Welle, oder Offsetkaschierung auf E-/F-Welle | Feine Wellen vermeiden den Waschbretteffekt |
| Lange Exporttransporte, Zielregionen mit hoher Luftfeuchtigkeit | Qualität mit höherem ECT, Kraftliner oder zweiwellig | Luftfeuchtigkeit im Sicherheitsfaktor berücksichtigen |
Dies sind Ausgangspunkte. Die endgültigen Qualitäten sollten Sie mit Mustern und Transportprüfungen an Ihren Produkten bestätigen. Für Pizzakartons, bei denen Hitze, Dampf und Fett die Wahl verändern, lesen Sie unseren Beitrag E-Welle oder B-Welle bei Pizzakartons. Zu den Höhenvorgaben für briefkastentaugliche Boxen siehe Mailerbox-Größen und Briefkastenmaße.
So legen Sie die Wellpappenqualität in der Angebotsanfrage fest
Europäische Lieferanten beschreiben Wellpappe meist über Welle und Papieraufbau, während US-Lieferanten häufig den ECT angeben. Um Angebote vergleichen zu können, fordern Sie von jedem Lieferanten beides: die Papierzusammensetzung sowie einen geprüften oder berechneten ECT unter denselben Bedingungen.
Führen Sie in Ihrer Spezifikation auf:
- Welle (zum Beispiel E oder B) sowie einwellig oder zweiwellig.
- Art und Farbe des Außenliners (Kraftliner, Testliner, White-Top, gestrichen weiß) und, falls bekannt, die Grammatur.
- Art und Farbe des Innenliners, besonders wenn ein Innendruck vorgesehen ist.
- Mindest-ECT (kN/m oder lb/in) und, falls relevant, Mindestberstdruck (kPa).
- Anforderungen an die fertige Schachtel: Stauchwert, Falltest oder die von Ihnen verwendete Norm für Transportprüfungen.
- Lager- und Transportbedingungen, einschließlich des Klimas am Zielort.
Ein Lieferant kann dann aus den ihm verfügbaren Papieren gleichwertige Qualitäten vorschlagen, ohne die Leistung zu verändern. Zum Zusammenspiel von Druckverfahren und Wellpappenoberfläche siehe Flexodruck, Offsetdruck, Tiefdruck und Digitaldruck im Überblick. Ist die Spezifikation fertig, senden Sie sie mit Ihrem Größenbereich über die Seite individuell bedruckte Mailerboxen oder kontaktieren Sie uns für eine technische Prüfung.